Vier Tage voller Naturleben

Kreisanzeiger vom 06.07.2026

Nachwuchs baut, beobachtet und lernt im Vogelschutzgehölz von Ober-Lais

Kinder und Betreuer bei der Erneuerung des Insektenhotels
Das Insektenhotel wird erneuert, Foto: Elfriede Maresch

Von: Elfriede Maresch - Die Natur- und Vogelschutzgruppe Ober-Lais hat ihr Sommerzeltlager veranstaltet. Vier Tage lang arbeiteten die Teilnehmer an Projekten wie einem Nistgiebel und beobachteten Königslibellen am Teich.

 

Beim Zeltlager der Natur- und Vogelschutzgruppe Ober-Lais ist wieder rund um das Vereinsgelände am Haus des Vereins beobachtet, gespielt und gearbeitet worden. Erneut erwies sich die Veranstaltung als Großereignis: 65 Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 18 Jahren nahmen daran teil. 35 Mitglieder und Freunde des Vereins sowie die Vorsitzenden Fred Nies, Sebastian Theiß und Lars Harbich kümmerten sich um sie.

 

In den 1970er-Jahren kamen die Aktiven der 1953 gegründeten Gruppe auf die Idee, die Naturschutzangebote für Kinder durch ein Sommerzeltlager zu erweitern. Denn die vier Tage am Vogelschutzgehölz sind keine bloße Freizeitveranstaltung, sondern Teil eines naturpädagogischen Konzepts. In der Kinder- und Jugendgruppe des Vereins treffen sich das ganze Jahr über alle zwei Wochen 35 bis 40 Jungen und Mädchen, um praktische Naturschutzaufgaben zu übernehmen. Nur während der Ferien pausiert das Angebot.

 

Gute Organisation 

Die gute Organisation ist das Geheimrezept des Zeltlagers. Das erste Treffen des Vorbereitungsteams findet im April statt, das zweite folgt im Mai. Die Woche vor dem Beginn ist noch einmal intensiv, am Montag wird das große Zelt aufgebaut. Und dann können am Mittwoch die Kinder kommen und bis zum Sonntag im Lager bleiben.

 

Inzwischen findet das Zeltlager seit mehr als 50 Jahren statt. Unterbrochen wurde es lediglich während der Corona-Pandemie. Die Kontinuität über Jahrzehnte hinweg bringt Vorteile mit sich, die Besucher erst bei einem Rundgang entdecken. Projekte früherer Zeltlager – etwa ein Barfußpfad, ein Holz-Xylofon oder ein Natur-Memory – erweitern bis heute die Spielmöglichkeiten im Gelände.

 

Mission Vogelschutz 

Oft ergeben sich daraus neue Aufgaben, auch für das diesjährige Zeltlager, das unter dem Motto „Mission Vogelschutz – Die Ärmel hoch fürs Gehölz“ stand. So musste das Geländer rund um den Teich erneuert werden. Die Wasserfläche war von Erwachsenen bereits vor vielen Jahren angelegt worden. Während der Arbeiten konnten die Jugendlichen Königslibellen sowie Kleinfische wie Moderlieschen und Stichlinge beobachten. In den Abendstunden, wenn es ruhiger und kühler wurde, entdeckten sie sogar Erdkröten.

 

„Jüngere gucken auch immer mal vorbei, was die Größeren machen. So erkennen schon Grundschulkinder, dass der Teich ein Habitat ist, ein Kleinraum voller Leben, in dem es noch weit mehr zu sehen gibt als nur die drei beobachteten Arten“, schilderte Philipp Peppel, Leiter des Betreuerteams.

In einem vor Jahren errichteten Nistgiebel mussten die Öffnungen und Nistkästen für Höhlen- und Halbhöhlenbrüter erneuert werden. Bereits in den vergangenen Jahren hatten dort Kohl- und Blaumeisen, Feld- und Haussperlinge, Haus- und Gartenrotschwänze sowie gelegentlich auch Kleiber genistet. Selbst eine Wasseramsel hielt sich zeitweise dort auf, obwohl sie ihre kugelförmigen Nester normalerweise in Halbhöhlen nahe ihrer Nahrungsgewässer baut.

 

Die Jugendarbeit der Natur- und Vogelschutzgruppe ist gut vernetzt, auch weil Christopher Fischer zugleich stellvertretender Leiter der Jugendgruppe und Feuerwehrjugendwart der Großgemeinde Nidda ist. Zwei der älteren Jungen, die gemeinsam mit Erwachsenen das große Insektenhotel erneuerten, sind ebenfalls in der Jugendfeuerwehr aktiv. Für den Erwerb der Jugendflamme Stufe 3 benötigen sie unter anderem den Nachweis über die Teilnahme an einem sozialen oder naturpädagogischen Projekt. Deshalb schaute ein Prüfer des Kreisjugendfeuerwehrverbandes vorbei. Stolz zeigte das Insektenhotel-Team, dass verschiedene Strukturen in dieser Wand geschaffen wurden, um den unterschiedlichen Nist- und Brutgewohnheiten verschiedener Insektenarten gerecht zu werden.

 

Die verschiedenen Arbeiten beim Sommerzeltlager sind immer altersgruppenspezifisch geplant. Die Erneuerung des Teichgeländers und der Bau neuer Sitzbänke für den Lagerplatz waren eher Aufgaben für die Jugendlichen.

 

Märchenhaftes Projekt

Das bedeutete jedoch nicht, dass die Jüngeren sich langweilten. Sie halfen zum Teil bei der Erneuerung der Schilder im Vogelschutzgehölz, bastelten und waren mit viel Fantasie, Geduld und Fingerspitzengefühl bei einem märchenhaften Projekt dabei. Zusammen mit den Betreuerinnen Hanne Neun, Christine Kaiser, Anja Nies und Louisa Peppel bauten sie mit Naturmaterial zwei Orte für Zwerge, übereinstimmend mit der Wirklichkeit: Ober-Lais größer, Unter-Lais kleiner.

Kinder und Eltern vor dem Insektenhotel und dem Vogelfutterhäuschen
Abschiedgeschenk für den Kindergarten Schwickartshausen, Foto: Elfriede Maresch

Zu Hochform liefen auch die Sechsjährigen auf, die nach den Ferien eingeschult werden. Als Abschiedsgeschenk für den Kindergarten Schwickartshausen bauten sie gemeinsam mit Katharina Göttlicher, Philipp Peppel und Lars Harbich ein kleines Insektenhotel sowie ein Vogelfutterhäuschen auf Birkenstämmen.

 

Die Abendrunden am Lagerfeuer, der Auftritt des Posaunenchors Ulfa/Wallernhausen, das „Spiel ohne Grenzen“ und die Einladung der Eltern zum Besuch rundeten das Sommerzeltlager ab.